Archiv für November 2009

Alles abwärts: Warnsignale in fast allen Rohstoffsegmenten

Hinweis für neue Leser: Wir nehmen Ihre E-Mail Adresse kostenlos im Sojakomplex-Premiumverteiler auf. Sie werden dann jedesmal informiert, wenn ein neuer Bericht erscheint.

Nachricht bitte an: gs@gsinfo.de

In unserem Bericht vom 01.07.2009 hatten wir auf die Gefahr hingewiesen, dass sich die Wachstumsphantasie in China in Luft auslösen würde. Danach könnte die Aufwärtsbewegung insbesondere für den Sojakomlex enden. Denn die Preisphantasie von Bohnen & Co beruhte auf dem angeblich großen Importbedarf der Chinesen.

Es blieb ratsam, den Statistiken, die von dem diktatorischen Staat vorgelegt wurden, zu misstrauen: Die Aufwärtsbewegung von Sojabohnen stoppte im Sommer, die Notierungen prallten mehrfach von der 10 / 11-Marke ab. Seit Juni 2009 besteht ein intakter Abwärtstrend.

Damit bekommt die Vermutung einer Überreaktion der Börse neue Nahrung. Wenn Analysten und Medien über neues Wirtschaftswachstum und höhere China-Nachfrage berichten, beflügelt das zwar die Kurse. Aber ob tatsächlich die Basis für Kurssteigerungen vorhanden ist – ein knappes Angebot bei hoher Nachfrage -, zeigt sich regelmäßig erst mit Zeitverzögerung.

Zuerst reagiert die Markt auf Gerüchte und Stimmungen, anschließend auf die tatsächliche Entwicklung, wenn die Schere zwischen Realität und Wunschdenken zu weit auseinander geht.

So war die Bodenbildung im Frühjahr berechtigt (z.B. Bericht vom 19.03.2009), und auch der Anstieg bis Mai/Juni. Ebenso logisch war anschließend der Rückgang bei guter Ernte und potenziell rückläufiger China-Nachfrage.

Mit den neuesten Indikatordaten könnte sich der Abwärtstrend verschärfen. Denn seit einigen Tagen zeigen die Kapitalfluss-Indikatoren an, dass die Marktteilnehmer aussteigen. Sowohl für fossile Energie als auch für Agrarenergie signalisieren die Indikatoren, dass die Geldmittel, die Rohstoffpreise monatelang aufblähten, knapp werden könnten.

Seit Juni gab es drei gemeinsame Abwärtsimpulse der Indikatoren. Jedesmal folgte ein Rückgang, was den intakten Abwärtstrend verdeutlicht. Dass es Rohöl & Co gelang, auf neue Zwischenhochs zu klettern, darf der guten Stimmung für Aktien unterstellt werden – eine vorübergehende Übertreibung nach oben, in der Martkteilnehmer von Medienberichten aktiviert wurden (Bericht vom 30.10.2009).

Seit Anfang November findet der vierte Angriff der Bären statt. Für Sojabohnen könnte das bedeuten: Ein Rutsch unter 9 USD wird möglich. Sojaöl und Sojaschrot dürften ebenfalls einknicken.

Für Rohöl, Benzin und Diesel darf danach auch mit schwächeren Kursen gerechnet werden. Auf Edelmetalle hatten wir bereits in der vergangenen Woche hingewiesen.

Wenn Rohstoffe auf breiter Front einknicken, dürfte das auch den Aktienmarkt betreffen. Hier sehen Sie, dass sich DAX und Sojabohnen bis zum Sommer erstaunlich parallel entwickelten:

Ab Juni koppelten sich die Bohnen nach unten ab: Während Aktionäre weiterhin vom Aufschwung träumten, kehrte bei den Rohstoffen etwas mehr Bodenständigkeit ein. Sollte sich die Wachstumsphantasie auflösen, dürfte das zuerst bei den konjunktursensiblen Rohstoffen sichtbar werden.

So erscheint es möglich, dass die Warnsignale für Rohstoffe, die wir zurzeit erhalten, auch Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben werden.

Wie lange der Rückwärtsgang anhalten kann, ist zurzeit schwer zu sagen. Allerdings würden bei einem kräftigeren Rückschlag eine Menge Optimisten auf dem falschen Fuß erwischt. Das könnte weitere Verkäufe auslösen.

Offen ist, wie sich Notenbanken und Regierungen verhalten, wenn die Märkte erneut ins Trudeln kommen. Sie könnten die Bilanzierungsregeln weiter lockern, Strafzinsen für Guthaben kassieren oder neue Konjunkturprogramme auflegen. Das könnte Abwärtstrends stoppen und für neue Höchststände sorgen. Aber das ist derzeit nicht erkennbar. Zunächst darf damit gerechnet werden, dass in den nächsten Wochen, ggf. Anfang 2010, eine Kapitalverknappung einsetzt.

Für unser Sojakomplex-Depot bedeutet das:

* Diesel- und Mais-Longpositionen per Termin Dezember 2010 werden weiterhin gehalten, um für eine Inflationierung der Märkte gerüstet zu bleiben.

* Soajschrot-, Sojaöl- und Sojabohnen-Shortpositionen werden zur kurzfristigen Absicherung gehalten.

* Für Weizen wird eine Long-Position geprüft, weil der Kapitalfluss-Indikator im Oktober einen Aufwärtstrend zeigte und die Notierungen anschließend darauf mit Kurssteigerungen reagierten. Auch Reis scheint sich von der Schwäche anderer Märkte nach oben abkoppeln zu können.

Trust in God, and keep your powder dry

Eine kluge Devise und passend für die kommenden Wochen/Monate. Am Freitag schlossen die Kurse an der CboT noch mal ein wenig schwächer, zwar nahe dem Tagestief aber mangels nennenswerter Bewegung im gesamten Börsenverlauf bleibt der Abschlag zwischen 1% im Schrot und gut 2 % bei den Bohnen moderat.

Mit 3 % Abschlag für Weizen und Mais war im Getreidehandel etwas mehr Pfeffer drin. Überhaupt verlieren die Rohstoffe heute flächendeckend, sogar Zucker und Erdöl gehen in die Knie und Baumwolle oder Bauholz verlieren teils kräftig. Einzig Gold, gefrorene Schweinehälften und Orangensaft können Gewinne verbuchen. Scheint als schichten die Soja- und Erdöl-Spekulanten in Pork Bellies, Orangensaft und Kaffee um – diese Anlagestrategie kommt morgen als Breakfast-Fond an den Sparkassen-Schalter.

Kleiner Schwenk zur Überschrift und bullischer Ausblick eines Bären: Gott zu vertrauen ist sicherlich die bessere Alternative zu Anlageberatern der Banken. Das Pulver trocken zu halten für die Zeit oder den Zeitpunkt, zu dem sich Kaufgelegenheiten bieten, ist sehr wichtig wenn man in einigen Jahren immer noch entspannt bleiben will, wenn ringsum die Krise weiter wütet.

Trotz aller Erwartungen auf schwächere Kurse im Sojakomplex und im Rohstoffmarkt, trotz Rückschlagspotenzial bei Edelmetallen, bleibt mittel- und langfristig ein Geldwechsel in Rohstoffe die klügste Krisen- und Inflationsversicherung. Die Notenbanken verteilen politisch bestellte zinslose Kredite und lassen den kleinen Mann im Glauben alles wird Gut und war gar nie so schlimm. Marc Faber hat dazu folgendes gesagt: “Wenn Kredite reich machen würden, wäre Simbabwe das reichste Land der Welt”

Heute morgen beginnt der Sojakomplex mit Aufschlägen und folgt der allgemein positiven Stimmung aus dem Aktienmarkt. Festere Chicago-Schlusskurse helfen den europäischen Ölmühlen, die vor langer Zeit mächtig Aufschlag für den 11-4 genommen haben, diese Prämie abzubauen, indem CboT-Aufschläge nicht oder kaum berücksichtigt werden. Wir befinden uns also bei der physischen Ware und an der CboT in einem Abwärtstrend, tagesweise unterbrochen aber weiterhin in Takt.

Für die Bewertung und richtige Einstufung von Marktkommentaren, die an einem Aufwärtstrend festhalten und alles dafür schreiben, sollte man folgenden Börsenweisheit kennen: (weil dieses Text schon mit einem “tollen” Spruch begonnen hat soll er auch so ähnlich enden) – DON´T EAT YELLOW SNOW !!!!

Warnsignal für Edelmetalle

Ein Grund, Rohstoffe zu beobachten ist unter Anderem auch, das eigene Vermögen zu schützen. Ihre Leserreaktionen zeigen uns regelmäßig, das Ihnen auch die Preisentwicklung von Gold und Silber am Herzen liegt.

Deshalb haben die Edelmetalle in unserer Berichterstattung einen festen Platz: In der “Weltweit”-Übersicht finden Sie unten auf der Seite die kurzfristigen Chart:

http://www.sojakomplex.de/weltweit/abo/?page_id=23

Mit einem Klick auf die Grafiken gelangen Sie auf die Seiten mit detaillierteren Charts und mehreren Indikatoren:

Silber:

http://www.sojakomplex.de/weltweit/silber.html

Gold:

http://www.sojakomplex.de/weltweit/gold.html

Beide Rohstoffe zeigen zurzeit eine auffällige Entwicklung:

1. hohe Umsätze

2. fallende Kapitalfluss-Indikatoren

Die Kombination beider Indikatoren darf als Warnsignal interpretiert werden: Offenbar findet auf dem höheren Niveau eine Umverteilung statt. Das neue Zwischenhoch ging durch den Blätterwald, so dass die Zahl der Marktteilnehmer mediengestützt zunahm. Die höhere Nachfrage nutzten einige Marktteilnehmer, um Gewinne mitzunehmen. Sie stiegen aus, was den Kapitalflussindikator fallen ließ. Möglicherweise fällt er jetzt dem Markt nach unten voraus – vergleichbar mit anderen oberen Wendepunkten, z.B. Juni 2009.

Die Hinweise reichen aus, um einen Rückschlag anzuzeigen. Eine generelle Trendwende lässt sich nicht aus den Daten ableiten.

Mögliches Szenario: Die Edelmetalle tendieren demnächst wie 2008 schwächer, als Aktien purzelten und Edelmetalle von der  Kapitalverknappung nicht verschont blieben.

Langfristig bleiben Gold und Silber wichtige Bestandteile für den Kapitalerhalt und als Hinterlegung von Sicherheiten in Kreditangelegenheiten. Während andere Werte wegbrechen, gehört insbesondere Gold zu den schwankungsärmsten, stabilsten Sachanlagen der Welt.

Sojabohnen: Short

Markus Gruber hat heute morgen hinter den Sojabohnen-Anstieg ein Fragezeichen gesetzt. Unsere Sojakomplex-Indikatoren bestätigen die kritische Beobachtung:

http://www.sojakomplex.de/weltweit/abo/?page_id=2

Die Stimmung ist so gut wie an den vorherigen oberen Wendepunkten, außerdem sind einige Optimisten immer noch engagiert, bzw. sie bauten ihre Positionen aus (Bericht vom 30.10.2009).

Deshalb werden wir heute unsere Short-Position (bisher Sojaöl und Sojaschrot) ausbauen: Zur Eröffnung in Chicago setzen im Januar-Kontrakt auf fallende Notierungen.

Ernte-Unsicherheit läßt Sojakurse steigen

Die Mähdrescher im diesigen Halloween-Nebel machten den Börsianern sichtbar Angst und die Kurse konnten kräftig anziehen. Das Erntewetter wird herangezogen um die Befürchtungen von Erntegut-Verlusten zu rechtfertigen. Es soll durch das nasse Wetter vor einigen Wochen immer noch Gefahr bestehen, dass Sojabohnen bei der Ernte ausfallen und am Boden liegende Stauden von der Erntetechnik nicht mehr erfasst werden können. Außerdem liegen die Erntefortschritte weit hinter mehrjährigen Vergleichswerten und es wird mächtig spät bis die Farmer die Sojabohnen eingebracht haben.

Jeder Kleinspekulant glaubt an die besser informierten Vermögensverwalter und erzittert, wenn Fondmanager aggressiv als Käufer auftauchen. Besserinfomierte gibt es, davon gehen wir natürlich auch aus, aber es scheint sich der Kreis der schweren Jungs weniger unter den nassgekämmten Publikums-Fond-Manager finden zu lassen, sondern die Marketmaker sind unbekannte Hintergrund-Drahtzieher. Daraus könnte man jetzt eine tolle Verschwörungstheorie zaubern, wollen wir aber nicht. Es scheint lediglich in der Entscheidungsqualität der Marktteilnehmer große Unterschiede zu geben. Einerseits die Fondmanager  die oft unrationell und gelegentlich glücklos, Anlegergeld im prospektierten Marktsegment unterbringen müssen und andererseits gibt es eine kleinere Gruppe der Geldverwalter, die ohne “Auflagen” und juristischer Einschränkung nach besserem Wissen ihre Anlageklasse und Marktbereich auswählen können.

Betrachtet man die Aussichten für die kommenden Monate, dann hätten gestern die Fondmanager gekauft, die zu Fuß mit Rucksack, in dem sie ihre Bürokluft mittragen, ins Büro laufen (tägliches Bild im Londoner Investment-Viertel) und sich vorher noch im Duschraum des Fitness-Studios um die Ecke frisch machen, ehe sie vor dem Börsenschirm sitzen. Lags am Monatsanfang mit den verbundenen Abbuchungs-Daueraufträgen zu Gunsten allmöglicher Fondgesellschaften die von braven Sparkassenkunden unverändert oder sogar neuerdings wieder verstärkt ausgeführt werden, man weiss es nicht. Die Nachhaltigkeit der gestrigen Aktion ist zu bezweifeln.

Sicher wird man versuchen dieses Jahr mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Ölmühlen kämpfen mit schlechter Auslastung für die kommenden Monate und wollen nur zaghaft die kalkulativen Abschläge durch die Umstellung von süd- auf nordamikanische Bohnen weitergeben. Die Ernteverzögerung muss einfach herhalten um Zeit zu gewinnen. Viel Zeit bleibt den US-Sojabohnen allerdings ohne hin nicht um sich in der Welt zu vermarkten – die sehr frühe Südamerika – Aussaat und die damit verbundene besonders frühe Ernte wird höchstwahrscheinlich bereits Ende Jan. / Febr. mächtig Nachschub auf den Markt liefern. Und nach Adam Riese liegt zu dem Zeitpunkt noch 2/3 der US-Ernte im Regal und bietet sich an. Wer möchte also heute Sojabohnen besitzen außer der, der sie schon in Händen hat ? Kurzfristig kann der Markt stabil bleiben und so wie gestern sogar zulegen. Mittelfristig drückt das Überangebot auf die Preise.